Archiv der Kategorie 'Kulturelles Gerödel & Cultural Stuff'

Verletzungskultur

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Das wird auch nicht aufhören, nur weil einige austreten und andere dabeibleiben: Das hat nur die Funktion des Selbstschutzes (Ausnahme: Mandatsträger*Innen, denn ihr Austritt ist über Parteigrenzen hinaus überhaupt wahrnehmbar; außerdem Vorstände ab LaVo aufwärts, denn unterhalb davon schert es die Medien in der Regel auch nicht).

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Wir reproduzieren die Kulturen und ihre Formen, aus denen wir stammen; die Kulturen und die Formen, mit denen wir aufgewachsen sind und mit denen wir sozialisiert wurden: Selbstreproduktion ist eine der Hauptfunktionen belebter Systeme — und soziale Systeme, wie sie Parteien und andere Organisationen auch welche sind, gehorchen auch diesen beschreibbaren Gesetzmäßigkeiten.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Und es werden sich Dinge ändern; und es wird Menschen geben, die schreiben die Änderungen der Abweichung von denjenigen Kulturen und Formen zu, mit denen wir alle aufgewachsen sind und sozialisiert wurden; und es wird Menschen geben, die schreiben die Änderungen der Reproduktion von denjenigen Kulturen und Formen zu, mit denen wir alle aufgewachsen sind und sozialisiert wurden.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Und wir sind damit aufgewachsen, dass wir bei geschehenen gegenseitigen Verletzungen darauf achten sollen, wer wen verletzt hat; welche Verletzungen wie stark waren; wer wen wie sehr verletzt hat; wer angefangen hat; wer wen provoziert hat; wer sich provozieren lassen hat; wer nicht aufgehört hat, obwohl er diese oder jene sozial vermeintlich höherwertige Eigenschaft aufweist; und wer wen womit manipuliert, zu Unrecht beschuldigt, verleumdet oder als Nazi bezeichnet hat: Damit reproduzieren wir dann die Kultur der Schuld.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Und wenn es keine Strukturen gibt, die extra so gestaltet wurden, dass sie die Kulturen und Formen, mit denen wir alle aufgewachsen sind und sozialisiert wurden, abmildert und ihre schädlichsten Auswirkungen beseitigt, werden wir Strukturen haben, die die Kulturen und Formen, mit denen wir alle aufgewachsen sind und sozialisiert wurden, stattdessen reproduzieren, festigen, und ausweiten helfen.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Und wir können immer auf nicht-anwesende Dritte (Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Fabelwesen, rechtliche und moralische Konstrukte) verweisen, um zu rechtfertigen, warum wir das tun, obwohl wir an uns einen eigentlich höheren Anspruch haben, einen Anspruch, nachdem wir alles anders, und neu, und besser, und menschenfreundlicher gestalten wollen.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Und wir können zu jedem Zeitpunkt darauf verweisen, dass wir selbst moralisch überlegener sind, weil das, was wir erlitten haben — angesichts dessen, was wir geleistet haben — mehr wiegt, als „die andere Seite“, die wir durch kognitive Abspaltung vom Ganzen erst einmal herbeidefinieren: Denn wenn jemand „nicht-wir“ ist, wird die Identität „unserer eigenen Gruppe“ stärker.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Aber ich schlage vor, dass wir uns selbst anschauen. Dass wir anschauen, wie wir selbst verletzt wurden: Und darüber trauern. Dass wir anschauen, wie wir andere verletzt haben: Und darüber trauern. Dass wir uns vor Augen führen, wie wir einander bekämpft haben, davon einen Schritt zurück treten, „der anderen Seite“ einen anerkennenden Gedanken zubilligen, und dann lachen über das Kämpfen und lachen über die Narben der Wunden, über die wir jammerten.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Aber ich schlage vor, wir machen das nicht.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Aber ich schlage vor, wir machen etwas anderes: Wir führen uns jederzeit vor Augen, wie alles, das wir tun, was wir sagen, was wir schreiben, und die Art und Weise wie wir hinüberblicken ankommen wird; wie unser Gegenüber uns sehen, hören, wahrnehmen, verstehen wird; welche Wahrnehmungen wir durch unser Tun und Unterlassen auslösen.

Natürlich können wir damit weitermachen, einander zu verletzen.

Aber ich schlage vor, dass wir Achtsamkeit über Moral, Gerechtigkeit, und alle anderen Werte stellen, die aus den Kulturen und Formen kommen, mit denen wir alle aufgewachsen sind und sozialisiert wurden: Und deshalb werde ich diesen Vorschlag auch nicht begründen.

(CC-BY-2015)

„Ein Linux-Nerd, ein Apple-Fanboy und ein Windows-Opfer gehen in eine Bar…“ / „A Linux nerd, an Apple fanboy and a Windows victim go into a bar…“

Es gibt ja jede Menge Witze nach dem Schema „Ein(e) $a ein(e) $b und ein(e) $c gehen in eine Bar“ – warum gibt es das nur für alte und nicht für neue Religionen? Ich befinde: Auch die Orthodoxien, die Windows-, Apple- und Linux- NutzerInnen trennen (und vereinen!) verdienen es, dass man sich über sie lustig macht. Und ggf. beömmelt.

Das ist der Aufruf an Euch alle: Vervollständigt in den Kommentaren folgenden Witz: „Ein Linux-Nerd, ein Apple-Fanboy und ein Windows-Opfer gehen in eine Bar…“ Ich schalte die Kommentare dann nach und nach frei, wenn sie keine blanke, netiquettenfeindliche Trollerei enthalten! ;-)

Viel Spaß!

PS: Wenn natürlich die Trollerei TEIL DES WITZES IST – immer her damit! ^_^

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(and in English)
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There are a lot of jokes roaming the wide open spaces of the internet that work like „A(n) $a, a(n) $b and a(n) $c enter a bar“ – why do they seem to be only for the old religions and not for the new ones, too? I opine: Also orthodoxies which seperate (and unite!) Windows victims, Apple fanboys and Linux nerds deserve to be ridiculed. And, if appropriate, wet yourself doing so.

This is a call to you all: Please complete in the comments the following joke: „A Linux nerd, an Apple fanboy and a Windows victim go into a bar…“ I will unlock your commentaries one by one, if they are free from the worst netiquette-disrupting forms of trollery! ;-)

Enjoy!

PS: Of course, if the trolling is PART OF THE JOKE – do it! ^_^

Groove Armada – I see you Baby

Es gibt nur wenige Musikvideos, die puritanische Ausstattung mit gutem Rhytmusgefühl und ansprechender Nachbearbeitung zu etwas so Stimmigem verbinden wie bei diesem Klassiker aus den ’90ern des 20. Jahrhunderts. Mag der Text auch (von unten) an Banalität grenzen, das Video erhebt die Musik auf eine höhere Bedeutungsebene. Die unübertroffene Ästhetik aber ist eine ganz einfache und spielt mit den elementarsten Impulsen…

Der praktisch durchgängige Beat trägt sehr zum fesselnden Gesamteindruck des Videos bei – der Schnitt ist sehr gut getimed. Das Video lief häufig im Nachtprogramm von Viva und Viva2 in beiläufiger Konkurrenz zur Telefonsexwerbung, die man sich am nächsten Tag witzelnd auf dem Schulhof erzählte.

In Deutschland wird dieses Video auf YouTube und anderen Seiten geblockt, sofern Euer Provider auch der Contentmafia entsprechend zugetan ist. Unter folgendem Link könnt Ihr es aber in voller Länge anschauen. Viel Spaß!

http://www.garagetv.be/video-galerij/popmuziek/groove_armada_i_see_you_baby.aspx

Beethoven gratuliert mit Barenboim zum 60. „Geburtstag“ des Grundgesetzes

Horst again, hatte es kurz zuvor geheißen – immer noch keine Bundespräsidentin.

Es war eine Feierstunde großen Ausmaßes in Berlin, als über 600.000 BesucherInnen den Pariser Platz und Umgebung füllten, während in einem der Glaspavillions beim Brandenburger Tor Barenboim dirigierte. Barenboim, eine Persönlichkeit die durch Mut und Besonnenheit Kultur zur Völkerverständigung einsetzt, darüber hinaus eine Koryphäe seiner Disziplin.

Auf dem Fernsehschirm sah das alles ganz ruhig und andächtig aus. Leute standen zwischen den Absperrungen, standen da, lauschten, wie vom Blitz getroffen. Niemand bewegte sich (es sei denn zum Ortswechsel), Teilnahme durch Stille, Zuhören, Disziplin – so wie wir (?) es in der Schule gelernt haben. Verstehen die Deutschen nicht nur ihre Dichter nicht, sondern auch nicht ihre Komponisten? Die Neunte ist meiner Meinung nach eines der leidenschaftlichsten und luftigsten Werke, die aus deutscher Feder stammen können (außer Mozart). Und dennoch – die Menge steht wie angewurzelt.

Das ZDF (denkt bitte nicht, ich sei live dort gewesen!) war leider nicht so schlau, beim Schlusschor in die Menge zu zoomen, die Leute zu zeigen die mitsingen (in Japan hätt’s das nicht gegeben – wenn man da die Neunte spielt und der Schlusschor ertönt, springen signifikante Anteile des Publikums auf und stimmen mit ein; ein Gotthold Ephraim Lessing hätte bestimmt seine Freude daran die deutsche Aufrechterhaltung der vierten Wand angesichts der Aufführung einer Sinfonie zu studieren…!). Hat jemand mitgesungen? Wer nicht dort war wird es wohl nie erfahren.

Was wäre das für ein Fanfest für das Grundgesetz geworden, hätte auch nur ein Bruchteil derer, die sich bei den letzten beiden Bundes-Fußballfeiern mit schwarz-rot-gold zu schmücken bewogen fühlen, das an diesem Tage getan! Hätten doch nur einige sich mit der Farbe zur Verfassung bekannt…! Doch es wird wohl markenrechtliche Gründe seitens Bertelsmann haben: Die Farben werden nur für marktpolitisch Opportunes verwendet (was wir für Konsum-Hochs hatten, während der Fußball-Flaggenschwenkerei – die Merkel durfte das glatt Aufschwung nennen; und das ist doch schön, oder, wenn man in seiner Amtszeit als Bundeskanzlerin so etwas über das eigene Land verkünden darf…?), und nicht für echtes Bekenntnis zu Menschen- und Bürgerrechten.

Deutschland, dein Stolz ist wohlfeil und billig, wenn Du ihn dir von PR-Kampagnen so billig abkaufen lässt! Büchner und Heine rotieren bestimmt in ihren Gräbern.

Was wurde gefeiert? Feierten Horst, Angela, Guido, Roland und Alice sich und ihre PartnerInnen, sofern mitgebracht? Feierten sie die Grundrechte, die zu beschneiden sich diverse Ministerien gerade zu bemühen scheinen? Ist es der Schock, den die Medien ständig produzieren und in der Menge, in der Masse, früher hätte man vielleicht gesagt im Volke, ständig reproduzieren?

Während im Reichstag Prof. Horst Köhler wiedergewählt wurde, waren Flashmob-AktivistInnen unterwegs, um das Grundgesetz in Ehren und hochzuhalten, um Menschen zu sensiblisieren für die Rechte die sie haben aber viel zu wenig in Anspruch nehmen – die Rechte, die sich Überlebende des zweiten Weltkrieges nur deshalb von den Alliierten wünschen konnten, weil die widerlichste Phase deutscher Verführbarkeit mit großem Opfer überwunden war – weil niemand mehr daran verdient hätte, auch nur eine weiter Bombe auf Deutschland zu werfen, weil niemand daran verdient hätte, wenn Deutschland eine weitere Bombe geworfen hätte.

60 Jahre, Donnerwetter. Fünf Jahre noch, denken sich da vielleicht einige Zyniker in Organisationen mit B, dann schicken wir mit Köhler auch das Grundgesetz in Rente und machen’s wie die Kollegen damals in Argentinien. Aber halt – das geht ja nicht! Das geht ja erst ab 67…

Lasst uns auf Holz klopfen, dass alles gut wird, dass wieder demokratischer gesinnte Regierungen durch den Wähler zur Machtergreifung genötigt werden und dass der Frieden in Europa noch ein wenig hält – wenigstens noch bis Peak Oil. Oder Peak Kilowatt? oder Peak Oxygen…?

5 Points about the new Star Trek movie

#1 Sabotage

I love this song – it’s one of the few rock songs from my youth (I‘m in the middle of my twenties now) I really dig. So it’s about time that this piece takes over control when I think „Oh wait a sec, that’s what I‘ve seen in the trailer already, haven‘t I?“ and accompanies a near-youth’s rebellion in an adequate way.
Wouldn‘t it have been even better, if the song would have been completely „on-screen“ (instead of off accompanyment), i.e., if it had grown more and more silent with the Corvette (if I‘m not mistaken with the model) falling down towards its bitter crash on the rocky ground? Kirk switches it on, why isn‘t he responsible for its falling back to silence? (Why did they only make it background music?)

#2 Tattoos, gas guzzlers and the bad mouth of real gangstas from da hood

Did anyone else get the impression, that the „new“ so-called Romulans have a faint resemblance to gangster rappers? Three reasons:
1. They wear tattoos in the middle of their face (like Mike Tyson, but that’s another, while not unrelated, story)
2. Their „drilling“ device looks rather like a fuel hose for a very thirsty Humvee (btw, how much energy does a time machine consume and what is its carbon footprint?) and
3. They have no sense whatsoever for protocol (they say „Hello“ instead of „this is Commander Blabla-ruk from the Imperial Romulan Warbird Yadda-Bla-rnik“ and use easy-to-unscrew NLP methods (instead of sound reasoning) to „convince“ their victims of the merits of surrender at gunpoint.

#3 The Theme

Yes – from the beginning on, as soon as we see the U.S.S. Kelvin, there’s music. But it is not the Star Trek theme nor anything remotely close to it – it’s an arbitrary SF movie theme (yet – hold on a minute. Fans are not entirely deprived of what they know. I promise…!). So it’s quite an anchor to, at least, recognize the technical sounds on the bridge: They make you feel remotely at home.

#4 Red Matter

How lousily lame would a metaphor be, that used „red matter“ as a synonym for blood (especially, non-Romulan and non-Vulcan blood)? Within the Star Trek context, I never heard anything about „red matter“ or „Red Matter“ – nil, nought and zero. So, blood is the first metaphorical meaning I can think of.

Thus, we have villains that one *could* associate with blood. Many villains in narratives are vampires. Now – are the „new“ so-called Romulans Hip Hop vampires? Well, if, in #2 they qualify as (at least partly) gangster rappers and they continue to deal with „red matter“, how far-fetched could it be to say, this movie is (partly and only in terms of cultural masquerade) about Hip Hop Vampires?

#5 The movie knows that it does not belong

The movie is full to the brim with allusions to circumstances only known to fans. The parachuting sequence for instance – did anybody other than me notice the three jumper’s suits‘ and chutes‘ colors? If so, did you also pay attention to what’s happening to each of them? *hint-hint*

In a scorcher I read one day before watching the movie, I read something to the amount of „missing fürni“ or „missing IKEA stuff“, which all the viewers were used to know from TOS (and maybe, to some extend, from TNG). But in my view, it does not do the work a great deal of harm.

What I found a little more irritating is the cast for Uhura, Chekov and Scotty – as I watched the (magnificiently-done!) German dub version, it was more the looks and less the voices that disturbed me. Moreover, was the „racial factor“ the only tidbit of the equation taken into account when casting for Uhura, Chekov and Sulu? However, the IMHO (three) most central figures were bestowed with faces well fit for their roles.

In some way, this is not Star Trek, and in some way it is. As it’s past 3am CET now and I‘m just home from the performance (and an after-show glass of marvellous Blood Wine in Sixtina, the famous Leipzig absinthery) I cannot but fail to come to a definite conclusion about this – as of now, it’s an immensely rich movie and I hardly ever enjoyed it so much to be proven the tolerable digressiveness of a scorcher.

Qapla‘!




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