Totholz-Gender-Thema

(Vorsicht: Ich schreibe lange Sätze die mit reinem Überfliegen oder Querlesen oft nicht zu verstehen sind! Außerdem gendere ich und lasse mich auf keine Konvention ein, die Gegenteiliges vorschreibt; es ist der Ausdruck dessen, wie ich dem Phänomen nach über 5 Jahren Gremienarbeit in einem StudentInnenrat gegenüberstehe)

„…hinterher von neuem diese unsäglich dümmlichen Kommentare über die frauenfeindlichen Piraten in der Presse lesen müssen – endlich ein Thema, was nullachtfünfzehn-durchschnittlich-begabter-Journalist begreift, da er das, was tatsächlich passiert, garnicht mitbekommt…“

(Das war ein Kommentar zu einem Blogeintrag hier: http://die13.wordpress.com/2010/05/19/piratinnen-auf-dem-bundesparteitagkentern-statt-gendern/ Dort habe ich diesen, meinen Blogeintrag auch als Kommentar abgefasst – hier einfach nochmal wegen Verfügbarkeit für mich… ;-) )

Spontan und sarkastisch betrachtet könnte ich jetzt schreiben: Tja, willkommen in der kognitiven Welt des Totholzmedien-Qualitätsjournalismus!

Es ist müßig und für manche PiratInnen unbequem von _irgendjemandem_ hören zu müssen, dass die Piratenpartei für Wahlerfolge darauf angewiesen sei, das Wohlwollen oder auch nur das Verständnis der Totholzmedien zu erlangen. Diese aber kriegen das Phänomen Piratenpartei (kein Binnen-I hier, da es ja der Eigennname ist) einfach nicht gerade auf die Schiene:
„Was sind das (also, PiratInnen) für welche? Wissen wir (also, Totholz-Journis) etwas über Parteien und/oder deren Arbeit, das uns helfen könnte, die Piratenpartei besser zu verstehen (bzw. Geschichten über sie zu schreiben, die sich besser verkaufen *s*) und zu begreifen, welche Bedeutung sie für die Gesellschaft hat und welches Potential sie entfalten kann?“

Wenn Totholz-Journaille über die Gender-Problematik beim BPT der Piratenpartei berichtet, dann möglicherweise deshalb, weil sie die anderen Themen zu einem, wie ich vermute, großen Teil nicht verstehen! Ist es jetzt für die Piratenpartei besser oder schlechter, dass es so gekommen ist, als wenn die Totholz-Journaille sich NICHT (oder weniger intensiv) mit diesem BPT befasst hätte? Gilt Karl Dalls(?) Satz, „Gute oder schlechte Schlagzeilen – scheißegal, Hauptsache, mein Name ist richtig geschrieben“ auch für die Piratenpartei?

Das sind Fragen in Richtung einer Post-Totholzmedien-Debatte. Die kann geführt werden, oder man/frau lässt es bleiben.

Meiner Erfahrung (als Geisteswissenschaftler) nach sind Themen wie Gender, Rassismus, Sexismus und Ethnizität bisher nur von den Geisteswissenschaften annähernd so weit bearbeitet, dass eine Gestaltungsarbeit in Gremien (und der Gesellschaft als Ganzem) hin zu mehr Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung überhaupt begonnen werden kann.

Wenn jemand in der Piratenpartei (in der GeisteswissenschaftlerInnen vermutlich trotz des hohen AkademikerInnenanteils eine Minderheit darstellen) behauptet, die ganze Partei sei post-Gender – then I call: Bullshit (please excuse my French today)!

Wenn diejenigen, die die Debatte in eine Richtung führen, dass Maßnahmen zur Bewusstseins(-selbst-)bildung zum Thema Gender in der Piratenpartei überflüssig seien, durch diese Argumentation erreichen wollen, dass eine Gleichbehandlung stattfindet und Gleichwertigkeit gelebt wird, ist das eine Absicht, die ich nur unterstützen kann! Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich aber, dass man (!) mit dieser Einschätzung meilenweit daneben liegen kann – vor meinem Studium hielt ich mich auch für post-gender und hielt es für den letzten Quatsch, dass ich mich für mein Studium in derartige Theorietexte einlesen sollte („Wieso – sind doch alle gleichberechtigt per Grundgesetz…!“). Aber das ist jetzt sogar schon 7 Jahre her.

Wenn die Piratenpartei sich der Genderdebatte behutsam und respektvoll annimmt und über den Tellerrand technischer(?) Lösungen und Definitionen zu blicken wagt, könnte es sein, dass alle ihre Mitglieder auf lange Sicht davon profitieren. Wenn dies aber nicht stattfindet, dann bleibt’s halt (befürchte ich, mit Rücksicht auf die Wahlergebnisse und deren Verhältnis zur Präsenz in Totholzmedien) bei anderthalb Prozent.

Ehrlich gesagt, das hielte ich für eine verantwortungslose Verschwendung von sehr viel inhaltlichem Potential – dass die Zeit der Ein-Themen-Partei vorbei ist, muss ich ja auch niemandem mehr erzählen… ;-)





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